Menü
  • Deutschland | Grevenkrug | Gasthof "Auerhahn"

  • Ostsee | Fähre Kiel - Klaipeda | Entspannte Stimmung an Deck.

  • Litauen | Zemaitijos Nationalpark.

  • Litauen | See im irgendwo | Fischer bei der Arbeit.

  • Litauen | Irgendwo unterwegs | Bauer bei der Arbeit.

  • Lettland | Gedenkstätte Salaspils.

  • Estland | Vor Kunda | Elchgefahr!

  • Russland | St. Petersburg | Eine der Brücken über die Newa.

  • Russland | St. Petersburg - Schnellboot nach Peterhof | Achtung Spion!

  • Ostsee | Fähre Helsinki - Rostock | 7:00 Uhr morgens.

Wir verlassen Riga und fahren ca. 50 km südlich nach Salaspils. Hier befindet sich eine Gedenkstätte der Opfer des Nazi-Wahnsinns auf dem Gelände des ehemaligen KZ. Es ist ein Ort des Schreckens und des Grauens. Mehrere etwa 10 m hohe Statuen (der Unbeugsame, die Mutter, die Gedemütigte, der Gequälte, ...) ragen aus der Freifläche wie die letzten und ewigen Zeugen uner unvorstellbaren Katastrophe.

Am Rand der Freifläche befindet sich ein riesiger Quader aus schwarzem Marmor, aus dem ein unaufhaltsames, hohles Ticken klingt. Das im Quader untergebrachte Metronom mahnt und erinnert mit seinem rhythmischen Schlagen an den Herzschlag der hier untergegangenen Menschen.

Gedenkstätte Salaspils. Gedenkstätte Salaspils.

Diese Gedenkstätte ist jetzt nach unserem Besuch in Bergen-Belsen auf der Herfahrt und dem Okkupationsmuseum in Riga der dritte Ort, an dem wir hautnah mit den Greueltaten unserer Vorfahren konfrontiert werden. Unsere Reise ist damit auch zu einer Reise in unsere Vergangenheit geworden. Natürlich können wir nichts für die Gewalttätigkeiten unserer Vorfahren, aber dennoch ist es wichtig, sich unsere jüngste Geschichte immer wieder vor Augen zu halten. Die Gedenkstätte Salaspils gehört trotz der Tatsache, dass es hier kein pompöses Museum gibt, also gerade wegen ihrer Schlichtheit, zum Eindrucksvollsten, was wir von dieser Reise mitnehmen.

Unser Weg führt uns weiter an der Küste entlang nach Norden – über Tuja, wo es laut Reiseführer einen schönen Campingplatz geben soll, der aber leider nicht mehr existiert, nach Salacgriva. Hier fragen wir in der Tourist-Information nach einer Unterkunftsmöglichkeit. Leider sind die Möglichkeiten sehr beschränkt, aber die überaus zuvorkommende Dame rät uns, nach Estland weiterzufahren, und hat auch gleich einen konkreten Vorschlag parat, wo es gemütliche Holzhütten geben soll.

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Es lohnt sich also immer, an der örtlichen Tourist-Information nachzufragen. Was mir hier zum wiederholten Male auffällt, ist die Tatsache, dass es zwischen den baltischen Staaten keinerlei Feindschaft oder Eifersüchteleien zu geben scheint, wie das häufig in anderen Ländern der Fall ist.

Wo wird einem schon geraten, in das angrenzende Nachbarland überzuwechseln, da es dort angenehmer ist?

Weil es noch früh am Nachmittag ist und es kein schöneres Wetter geben kann (Sonne, leichter Wind, Temperatur um die 20 Grad), beschliessen wir, den Rat der Informationsdame anzunehmen, und nach Estland weiterzufahren. Zum Abschied kopiert uns die Frau noch einen detaillierten Lageplan des Grenzgebietes zwischen Lettland und Estland.

Nach nur 10 km erreichen wir den Grenzposten, der der bisher sauberste und professionellste seiner Art im Baltikum ist. Eine problemlose Abfertigung durch einen jungen Polizisten und eine Frau, nach deren Gesichtszügen ihre Eltern offensichtlich Eskimos waren, unterstreicht den positiven Eindruck.

Mit bester Laune finden wir eine kleine Stichstrasse von der Hauptstrasse auf den parallel verlaufenden Küstenweg. Kurz vor Kabli gibt es den Kämpingplatz „Lemme“, ein ausnehmend einladendes Gelände unter hohen Fichtenbäumen mit einem menschenleeren, Karibik-weissen Sandstrand.

Wir mieten eine der drei grossen Hütten (4 Personen) für umgerechnet 35 DEM inclusive Bettwäsche, da die in grosser Anzahl vorhandenen kleinen Holzhäuschen für 2 Personen wirklich so klein geraten sind, dass wir befürchten, unsere Motorradkoffer nicht unterzubringen.

Endlich was zu "trinken" - wenn auch nur mit wenig Oktan. Endlich was zu "trinken" - wenn auch nur mit wenig Oktan.
Hallo Estonia! Hallo Estonia!
My home is my castle. My home is my castle.
Prost! Prost!

Etwas Hektik kommt auf, da wir noch etwas zum Abendessen besorgen müssen, wir aufgrund unseres kurzfristigen Entschlusses, nach Estland einzureisen, auch noch keine estnische Währung besitzen und also Geld wechseln müssen, und unsere Tochter Melina heute Geburtstag hat, und wir sie unbedingt anrufen müssen.

Gottlob haben die Geschäfte durchweg bis ca. 21 Uhr geöffnet. 15 km weiter ist das Städtchen Häädemeeste, das zwar keine Bank, dafür aber ein besonders schnuckeliges Hotel (Hotel „Valda“) besitzt, in dem wir bei einer freundlichen jungen Frau Geld wechseln können.

Das Handy bekommt keinen Empfang und die Telefonzelle vor der geschlossenen Poststation funktioniert nur mit Karte. Gottlob kann die Frau von der Hotelrezeption wieder aushelfen, denn sie hat auch Telefonkarten. So können wir unsere Geburtstagsgrüsse noch übermitteln und anschliessend im nahegelegenen Supermarkt einkaufen.

Schwer beladen laufen wir am Campingplatz ein und beziehen unsere Blockhütte. Jetzt kehrt innere Ruhe ein. Das estnische Dosenbier schmeckt absolut lecker, und nachdem wir unseren kleinen Klappgrill ausgepackt, angefeuert und mit verlockenden Fleischstückchen aus dem Supermarkt bestückt haben, bricht die Nacht herein. Einfach nur gut!

Unser Campingplatz liegt direkt am Estnischen Meerbusen. Der Platz ist äusserst einfach ausgestattet. Er bietet viel Raum zum Zelten, es gibt über das ganze Areal verstreut liegende sanitäre Einrichtungen, die aus einer normalen Kloschüssel bestehen, jedoch in Manier eines klassischen Donnerbalkens arbeiten. Eine Spülung gibt es nicht, ebensowenig abschliessbare Kabinentürchen. Man sitzt, nur durch eine Holzwand vom Nachbarn getrennt, auf seinem Thron, und erledigt seine Geschäfte. Durch leichtes Vorbeugen kann man bequem an der Trennwand vorbeischauen und sich mit einem evtl. vorhandenen Nachbarn unterhalten. Nichtsdestotrotz ist alles sehr sauber.

Auch die in einem grossen Holzhaus untergebrachte Gemeinschaftsküche mit Elektroherden und Tischen in Rittersaalgrösse lädt zum Verweilen bei regnerischen Tagen ein.

Hanne schenkt mir eine Möwenfeder, die ich am Bremsflüssigkeitsbehälter des Motorrades anbringe. Ich freue mich riesig. Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die das Leben so schön machen. Die Feder wird uns unsere ganze weitere Reise als Glücksbringer begleiten.

Wir haben nur etwa 20 m zum Strand. Alle Einheimischen, die hier zelten, gehen schwimmen. Uns ist es etwas zu kalt. Die Temperaturen sind sehr angenehm, doch zum Schwimmen reicht es für uns nicht ganz.

Der Morgen ist etwas verregnet, nachmittags wird es schön. Wir faulenzen den ganzen Vormittag, erst nachmittags fahren wir in den benachbarten Ort. In einem etwa 5 qm grossen Laden erwerben wir bei einem jungen Mädchen zwei grosse Fische, die abgends gegrillt werden. Nach einem Kaffee in der Campingplatz-Bar (hat etwa die Grösse eines Geräteschuppens) machen wir noch einen langen Strandspaziergang. Wenn man wollte, könnte man hier von Riga bis nach Tallin laufen.

Der Spaziergang hat uns so „angestrengt“, dass wir bei Sonnenuntergang noch einmal in der „Bar“ landen. Ich bestelle ein Bier. Das Mädchen vom Verkauf warnt mich: „very strong“. Ich versuche es trotzdem. Immerhin – 7,8% Alkohol, das ist doch schon etwas. Im Gegensatz zum sonst hier erhältlichen Bier kommt richtiger Starkbiergeschmack auf. Na dann, gute Nacht.

Grillen am Abend - erquickend und labend. Grillen am Abend - erquickend und labend.