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In der Nacht kommt Sturm auf. Orkanartige Böen fegen um unsere Hütte, das Meer braust tosend gegen den Strand, schwerer Regen trommelt auf das Dach. Als ich morgens um halb acht einmal aus dem Fenster schaue, denke ich, die Welt geht unter. Ich ziehe den Vorhang wieder zu und lege mich wieder hin.

Als wir zwischen 9 und 10 Uhr aus den Federn kriechen, hat sich alles beruhigt. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein ziehen uns ins Freie. Von den Fichtenbäumen fallen noch schwere Wassertropfen, aber der Tag verspricht, gut zu werden. Warmer Wind vom Meer.

Wir schicken eine SMS an unseren Freund Peter zu Hause, mit dem wir hin und wieder in Verbindung stehen, und teilen ihm mit, dass sein Wettersatellit, dessen Prognose er uns gestern mitgeteilt hatte, mal wieder daneben getippt hat. Einige weitere Regenschauer auf unserer Fahrt heute über Pärnu und dann weiter der Küste entlang werfen unsere Meinung nicht um. Spätestens um die Mittagszeit hat sich das Wetter bei 20 Grad und Sonnenschein stabilisiert.

Wir fahren auf holprigen Strassen durch dichte Wälder. Immer noch kein Elch! Auf der Höhe des kleinen Örtchens Köpu lädt ein „Motel“ am Strassenrand zum Verweilen ein. Das Motel „Maria“ besteht aus einem grossen Grundstück (sehr gepflegt) mit einigen Nebengebäuden (Sauna) und einem grossen Haupthaus, in dem eine Gaststube und 4 Fremdenzimmer untergebracht sind. Es gibt warme Duschen, ein gepflegtes Essen. Die Gaststube mit den riesigen Dielen und den dunklen Balken an der Decke hat etwas so Gemütliches, dass wir einfach bleiben müssen. Wir waschen unsere Wäsche und dürfen sie abends auch in die Sauna zum Trocknen aufhängen.

Ich schreibe diese Zeilen gerade als einziger Gast in der Wirtsstube. Ledigliche eine Lampe brennt über dem aus dunklen, dicken Baumstämmen bestehenden Tresen. Durch eine Holztür mit Glasscheibe kann ich in die Wohnstube der Familie blicken, die das Motel betreibt. Mutter sitzt mit einer Zeitung vor dem Fernsehgerät, an der Wand tickt eine alte Pendeluhr. Leises Geschirrklappern aus der Küche, fremde Sprachfetzen. Nur der Schein einer Kerze auf dem Tisch, an dem ich sitze, erhellt das Tagebuch. Es ist stimmungsvoll und gemütlich. Eine kohlrabenschwarze Karze, der das rechte Hinterbein fehlt, humpelt langsam vorbei.

Hanne hat sich schon schlafen gelegt. Draussen ziehen tiefe Nebelschwaden über die Moorwiesen. Gehäkelte und geklöppelte Vorhänge an den Fenstern, ein Blümchen auf dem Tisch. Ein einzigartiger Ort, um die Nacht zu verbringen.

Wie wird der morgige Tag werden?

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir unser Frühstück ein. Es gibt heissen Kaffee, gebackene Eier, einige Tomaten- und Gurkenscheiben. Alles ausnehmend lecker. Wir bezahlen für die Übernachtung und zwei Mahlzeiten vom Vortag etwa 100 DEM, das ist zwar nicht gerade billig, aber für die nette Unterkunft ist es das allemal wert.

Nach einem freundlichen Abschied und einer extra gefüllten Thermoskanne Kaffee geht es zunächst auf Sand- und Schotterpisten weiter nach Norden, dann über Lihula und Risti nach Tallin.

Was macht der Joe auf'm Klo? Was macht der Joe auf'm Klo?

Manchmal ist die Orientierung etwas verwirrend, da die Nummern der ausgeschilderten Strassen nicht mit unserer Strassenkarte übereinstimmen. Dafür sind unsere RV Karten im Masstab 1:300.000 sehr detailliert und führen uns so doch immer wieder in die richtige Richtung.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt durch Tallin, die Hauptstadt Estlands, in der viel an-, um-, oder aufgebaut wird, geht es auf einem Autobahnstück weiter nach Osten in den Lahemaa Nationalpark. In Kuusalu biegen wir ab in Richtung Muuksi.

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Nach etwa 15 km geht es links ab zum Zeltplatz „Merila“. Es ist ein riesiges Areal direkt am Meer, mit weiten Wiesenflächen, alten kräftigen Bäumen, einem parkähnlichen Inselchen mit Brückchen und zwei oder drei kleinen Holzhütten, die man mieten kann.

Zunächst werden wir bei der Einfahrt auf das Grundstück von zwei kräftigen Labrador Hunden und einem Schäferhund-Husky-Mischling aufgeregt mit lautem Gebell empfangen. Nachdem ein kräftiger Mann die Hunde beruhigt hat und jeder der Köter die BMW in Hundemanier markiert hat, sind wir akzeptiert.

Unser Zelt könnten wir aufschlagen, wo immer wir wollten, meint Toomas, der Besitzer, aber wir würden es vorziehen, eine Hütte zu mieten. Das Hauptgästehaus mit Küche und allen Annehmlichkeiten ist bereits an eine estnische Familie vermietet, die den ganzen Sommer hier verbringt. Nach nochmaliger Nachfrage zeigt uns Toomas schliesslich eine Hütte, die er aber offensichtlich nicht gern vermietet, "because it is not ready“.

Es sind zwei grosse Betten vorhanden, ein Tisch und ein Stuhl. Elektrizität gibt es keine und die Tür ist nicht abschliessbar. Wir nehmen die Hütte trotzdem, denn es ist ein sehr einladender Ort, wir fühlen uns absolut sicher, und alles ist sehr gepflegt. Wir einigen uns auf 100 Kronen die Nacht, das sind etwa 12,50 DEM. Was will man mehr, wenn das kleine Holzhüttchen gerade mal 5 m vom blitzsauberen Strand entfernt steht?

Wir kochen Nudeln mit einer etwas exotischen Sosse aus Tomatencreme, Thunfisch, Oliven und Pilzen. Der zuvor eingekaufte bulgarische Rotwein schmeckt vorzüglich.

Dies hier ist definitiv das Paradies. Dies hier ist definitiv das Paradies.
Ob uns das wohl schmecken wird? Ob uns das wohl schmecken wird?
Hier kommt das Wasser noch nicht aus dem Hahn. Hier kommt das Wasser noch nicht aus dem Hahn.

Nach einem Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch schlafen wir zunächst gut, doch nicht gerade lange, denn die Nächte sind hier ausserordentlich kurz. Ab etwa 2 Uhr nachts hat man das Gefühl, dass Sonnenaufgang ist, es ist nicht mehr richtig dunkel, und rote Morgenrotschweife lecken über den Horizont.

Nachtstimmung im Norden Estlands. Nachtstimmung im Norden Estlands.