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07 - Ciao, ciao, Bambini!

Zarte Andeutungen, dass es Herbst wird. Zarte Andeutungen, dass es Herbst wird.

Heute ist Sonntag, der 12. August 2001. Eigentlich ist das Savinja Tal alleine an sich schon einen Urlaub wert, denn es gibt sehr viele Wanderwege in die Berge. Leider sind wir dafür nicht richtig ausgerüstet. Durch den vergangenen Regentag haben wir auch die Eishöhle nicht besichtigen können. Heute müssen wir weiter. Um 8 Uhr bin ich auf und mache einen Rundgang. Hochnebel schwebt über dem Tal, die Sonne funzelt von Zeit zu Zeit hindurch. Der See liegt türkisgrün und platt wie ein Spiegel, Dampf steigt auf. Es ist ein herrlicher Morgen, und ausser mir ist noch niemand auf.

Hanne kommt auch nicht in die Gänge (Heidelbeer-Likör?), und so koche ich erstmal einen Kaffee und schaue einigen Fischen zu, die aus dem See springen, um anschliessend mit lautem Platschen wieder einzutauchen. Die Sonne kommt endlich kräftig durch, es wird warm, aber die Luft ist angenehm frisch, geradezu reingewaschen durch das befreiende Gewitter von letzter Nacht.

Wir wollen nach Postojna fahren, um uns die dortigen Höhlen anzuschauen. Es erfolgt ein herzlicher Abschied von Juri und Anita vom Campingplatz, und wir müssen versprechen, wiederzukommen. Juri gibt uns noch die Internetadressen:

www.campingmenina.com

www.logarsea-donina.si,

dann rauschen wir los. Der Boxer schüttelt das letzte Wasser aus den Zylinderköpfen und den Handprotektoren, gerade so, als wollte er sagen: „Na Leute, endlich geht es wieder los, wurde auch Zeit!“. Der Weg führt uns weiter nach Westen, die einzige Strasse durch die Savinjer Alpen.

Morgens am See. Morgens am See.
Anita und Juri's Bruder. Anita und Juri's Bruder.

Nach Gorni Grad geht es stetig bergauf, bis ab Šmiklavž eine richtige Passauffahrt beginnt. 18 – 20 Grad Temperatur, frische Luft, kilometerweite Fernsicht in die Täler. Hanne und ich sind begeistert. Der Pass läuft kurz vor Kamnik aus. An der rechten Strassenseite leuchtet ein Restaurant. „Mittagessen?“ frage ich nach hinten, und es antwortet unverzüglich: „Mittagessen!“. Wir bestellen im blitzsauberen Lokal Wiener Schnitzel, gegrillte Koteletts, Salat und Pommes. Weiter durch Ljubljana und herrliche Bergstrecken nach Postojna. Leider darf man fast überall nur 70 km/h fahren.

Der Campingplatz in Postojna ist bestens ausgeschildert. Leider ist alles touristisch völlig überlaufen, und wir finden nur ein Plätzchen am Hauptzufahrtsweg. Na egal, dafür gibt es eine Holzbank mit Tisch, wo wir wieder mal wie Walton und Stettler das Kommen und Gehen der Touristen und Camper kommentieren („hohohoh...“). Gegenüber lässt sich ein holländisches Paar mit einer Kawasaki GPX-Z-R-XXx irgendwas nieder. Sie haben sogar einen Anhänger am Moped! Eigentlich müsste Holland zu dieser Jahreszeit komplett menschenleer sein. Vielleicht sollte man einmal Urlaub in Holland machen?

Aus den Lautsprechern der Rezeption dröhnt ein richtiger Ohrwurm über den Platz: „Ciao, ciao, Bambini...“. Wir singen mit, wiegen uns im Takt und gehen auf einen Sundowner ins Restaurant.

Da kündigt sich von draussen Moped-Gebrumme an. In bekannter - fast liegender – Haltung fliegt – es ist nicht zu fassen – Günther vorbei, dicht gefolgt von Annette auf ihrer F 650. Sofort sitzen wir zusammen und erzählen über die letzten Tage, und natürlich auch jede Menge Unsinn.

Günther und Annette sind hungrig und gehen deswegen erstmal Spaghetti kochen. Hanne duscht, ich schreibe Tagebuch. Als es dunkel wird, treffen wir uns wieder zum Weintrinken. Die Nacht wird kalt – 8 Grad.

Am nächsten Morgen hole ich vom kleinen Laden frische Brötchen, koche Kaffee, dann frühstücken wir. Alles muss etwas schnell gehen, denn bereits um 9 Uhr beginnt die Führung durch die Pivka Höhle (Pivka Jama), die wir uns anschauen wollen. Die Pivka Jama ist eine von mehreren kleinen Höhlen hier in der Umgebung. Die grösste und bekannteste, die Postojna Jama, ist bestimmt spektakulär, dafür touristisch aber hoffnungslos überlaufen. Das beginnt schon mit einem quadratkilometer-grossen Parkplatz vor dem Eingang.

Der Reiseführer (2) meint hierzu:

Die Karsthöhle bei Postojna, eine der grössten der Welt, gehört zu Sloweniens beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Aus diesem Grund ist die Höhle sehr kommerzialisiert worden und ganzjährig von Touristengruppen überfüllt, die in Bussen herangekarrt werden. Viele Urlauber ziehen mittlerweile die nicht so häufig besuchten Höhlen nördlich der Stadt oder diejenigen bei Škocjan in Primorska vor. Die Welt geht nicht unter, nur weil man Postojna nicht gesehen hat – man reist besser nach Škocjan und schaut sich etwas viel Schöneres an.

Das Höhlensystem von Postojna (Postojnska Jama), ein über 27 km langes Gebilde aus Höhlen, Hallen und Gängen, das zwei Millionen Jahre alt ist, wurde von dem Fluss Pivka ausgewaschen, der sich in der Nähe des Höhleneingangs in einen unterirdischen Tunnel ergiesst. Der Fluss hat auf seiner unterirdischen Reise ein Reihe von Höhlen geschaffen, bevor er sich unter dem Namen Unica wieder ans Tageslicht begibt. Die Unica windet sich durch ein versunkenes Feld aus porösem Kalkstein, die Planinsko Polje (Planina Ebene), die sich in der regnerischen Jahreszeit zum See Planina entwickelt. Sie versickert aber – wie es in der Natur eines solchen Ponor-Flusses liegt – bald wieder im Untergrund. In der Nähe von Vrhnika taucht sie als Ljubljanica wieder auf und setzt ihre Reise nordwärts zur Hautstadt des Landes fort.

In der Pivka Jama. In der Pivka Jama.

Daher haben wir uns für die „kleine“ Pivka Jama entschieden, und das war gut so. Eine kleine Gruppe von Interessierten hat sich am Eingang versammelt, der direkt am Campingplatz liegt. Ein sehr vertrauenerweckender Mann mit einer riesigen Taschenlampe erklärt alles in mehreren Sprachen und meint noch, dass wir hier in dieser Höhle sehr viel Zeit haben, denn es gibt keinen Zug, der hektisch zur Durchfahrt drängt (so wie in der Postojna Höhle).

Mit Staunen sehen wir die vielen Stalaktiten und Stalakmiten, durch Mineraleinlagerungen funkelndes Gestein, und die Pivka, die an vielen Stellen ruhig durch ihr unterirdisches Bett fliesst. Wir erfahren Interessantes über die 300 unterschiedlichen Lebewesen einschliesslich des Grottenolms, die auf ihre Weise das nächtliche Leben meistern. In einem Höhlenabschnitt (die „Schwarze Höhle“) haben sogar schon vor vielen tausend Jahren Menschen gelebt. Die Höhle ist schwarz vom Russ der Feuer und Fackeln, und weil die Höhle lebt, bilden sich auf dem schwarz gefärbten Stein bereits wieder neue Stalaktiten, die schneeweiss vom Kalkwasser sind.

Verzaubert verlassen wir die Höhle, verschnaufen kurz auf dem Campingplatz, dann rauf aufs Moped, denn die Burg von Predjama steht auch auf unserem Programm. Die 9 km verfliegen schnell, dann liegt die Burg bereits mächtig vor uns.

Als wir die Burg um etwa 13:30 Uhr verlassen, zittern mir die Knie. Ich habe fürchterlichen Hunger, und wir haben heute morgen ja auch schon einige Strapazen und Kletterpartien (Höhlen und Burg) hinter uns.

Die Burg von Predjama. Die Burg von Predjama.

Direkt unterhalb der Burg liegt eine einladende Gostilna – kurz entschlossen kehren wir ein und stärken uns. Das Touristenaufkommen hier hält sich in erfreulichen Grenzen. Es ist zwar Betrieb, aber nie kommt Hektik auf. An dieser Stelle möchte ich noch einmal bemerken, dass ausnahmslos alle Menschen so freundlich auftreten, wie wir es selten in anderen Ländern erlebt haben. Es ist eine Freude, in Slowenien unterwegs zu sein.

Anschliessend wollen wir uns unbedingt noch das Haselmaus Museum in Snežnik anschauen, das etwa 40 km südöstlich liegt. Nur wer die Haselmaus kennt, kennt Slowenien! Das Wetter ist wieder heiss geworden, und wir fliegen bei knallendem Sonnenschein und satten Farben der Wiesen und Wälder nach Snežnik. Das Haselmaus Museum ist ein kleines Häuschen direkt neben der Burg Snežnik aus dem 16. Jahrhundert, die eine der besterhaltenen Burgen ganz Sloweniens ist. Leider ist das Museum geschlossen. Nicht ein einziger Tourist bewegt sich hier, und daher kann man es den Leuten auch wohl nicht verdenken, dass sie lieber ins Schwimmbad gehen, als auf Haselmaus-Interessenten zu warten. Schade – wir hätten die Haselmaus gerne näher kennengelernt.

Am Abend klönen wir wieder mit Günther und Annette, die am nächsten Tag an das Meer nach Portoroz fahren wollen (Günther: „Machen lucki, lucki....“). Da waren Hanne und ich schon einmal vor einigen Jahren und haben Portoroz als das Mallorca Sloweniens in Erinnerung. Daher raten wir den Deggendorfern davon ab, aber sie wollen unbedingt hin.

Am Dienstag, den 14. August, brechen wir die Zelte ab. Es bleiben uns nun nur noch 3 Tage Zeit, die wir unbedingt im Soča Tal verbringen möchten. Das Soča Tal erstreckt sich vom Nationalpark Triglav bis hinunter nach Nova Gorica. Das herausragende Merkmal dieses Tals ist das 96 km lange Stück der Soča, die manchmal, an ihren schmalsten Stellen, nur weniger als einen Meter breit ist, aber immer ihr tiefes, fast irreales Aquamarinblau behält. Im Tal kann man viele historische Stätten und wichtige Kunstwerke besichtigen, aber die meisten Leute kommen hierher, um Wildwasserfahrten zu unternehmen, Berge zu besteigen oder Ski zu fahren.

Ab Postojna geht es über Nova Gorice und Kanal an der Soča entlang nach Kobarid. Wir sind fasziniert von der Farbe der Soča, die man nur schwierig in Worte fassen kann. Man muss dieses Flüsschen einfach mit eigenen Augen gesehen haben.

Napoleon Brücke über die Soča. Napoleon Brücke über die Soča.

In Kobarid zelten wir auf dem Campingplatz „Kamp Koren“ (sehr schnuckelig, wir können ihn nur weiterempfehlen). Es erreicht uns eine Nachricht auf dem Handy. Günther hört sich sehr deprimiert an. Er sagt nur einen Satz: „Ihr hattet recht.“. Wir schicken ein SMS und teilen Günther und Annette mit, wo wir sind – für alle Fälle, und falls sie in den nächsten Tagen noch in diese Gegend kommen.

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Das Soča Tal war im ersten Weltkrieg Schauplatz der heftigsten Kämpfe. Bei Historikern werden diese Schlachten meist unter dem Begriff "Isonzo Front" geführt. Alle detaillierten Informationen gibt es hier.

In Kobarid besuchen wir am Mittwoch das Museum, das die Geschichte dieser Umgebung aufarbeitet. Das Museum wurde 1990 eröffnet und hat bereits mehrere europäische Preise gewonnen. Die Ausstellung widmet sich fast ausschliesslich der Front an der Soča und beschäftigt sich mit der Tragödie dieses Krieges, der alle Kriege beenden sollte.

Aus dem Reiseführer (2):

Ausgestellt sind unter vielem anderen auch 500 Fotos, die den Horror der Soča- (oder Isonzo-) Front darstellen, militärische Schaubilder, Tagebücher und Karten sowie zwei grosse Reliefschautafeln, die den Verlauf der Frontlinien und Offensiven im Krn-Gebirge und die Lage im oberen Soča Tal einen Tag vor der entscheidenden Schlacht verdeutlichen. Zu sehen ist ferner eine 22minütige Multivisions-Präsentation (Dias mit Kommentaren), die von den Vorbereitungen auf diese alles entscheidende Schlacht sowie über die eigentlichen Kämpfe und deren Ergebnisse berichtet. Die Beobachtungen der Soldaten auf beiden Seiten verdeutlichen vieles am besten.

Das Museum ist auf 18 Räume in drei Stockwerken verteilt, in denen die Ausstellungsstücke in vier Sprachen erklärt sind. In der Eingangshalle im Erdgeschoss sind Fotografien von Soldaten, Grabkreuze, Mörser und die Flaggen aller in diesem Krieg verwickelten Länder zu sehen.

Die Zimmer im ersten und zweiten Stock sind nach Themen aufgeteilt: Das Schwarze Zimmer zeigt grauenvolle Bilder von Toten und Sterbenden, das Weisse Zimmer verdeutlicht die schweren Bedingungen, die solch ein Krieg im Schnee und Nebel des Hochgebirges mit sich bringt, und im Rückzugszimmer ist zu sehen, wie das Leben der Soldaten in Kampfpausen aussah, aber auch, was der Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutete. Das Duchbruchszimmer handelt von den Ereignissen jener drei Tage (24. – 27 Oktober 1917), an denen sich die vereinten deutschen und österreichischen Streitkräfte in der Nähe von Kobarid aufstellten und die italienische Armee vernichtend schlugen. In einem Zimmer sieht man einen italienischen Soldaten in einem unterirdischen Unterstand sitzend und einen Brief an seinen Vater schreiben, während draussen der Krieg wütet.

Erinnerung an Ernest Hemingway. Erinnerung an Ernest Hemingway.
Die Schrecken des Krieges. Die Schrecken des Krieges.
Im "Weissen Zimmer". Im "Weissen Zimmer".

Hanne nimmt sich vor, zu Hause gleich Ernest Hemingway’s „In einem anderen Land“ zu lesen, das von den Ereignissen an der Isonzo Front handelt.

Nachmittags gehen wir mit unseren Stühlchen hinunter zur Soča, um die Eindrücke aus dem Museum zu verarbeiten, Sonne zu tanken, und auch ein wenig zu baden. Herrgott, ist das Wasser kalt! Aber wenn man einmal drin ist, ist es ein geradezu erotisierendes Gefühl, und man muss immer wieder hineinspringen. Ich lasse mich von weiter oben flussabwärts von der Strömung mitreissen, um dann wieder bei Hanne anzulanden.

Am Abend bollern zwei Motorräder auf den Platz – Günther und Annette sind dem Trubel in Portoroz entkommen und geniessen die Ruhe in den Bergen. Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir mal wieder zusammen beim Wein...

Im Grunde genommen müsste man hier einen kompletten Urlaub verbringen, denn es gibt hier so viel zu sehen, dass man einige Tage Zeit braucht. Es gibt interessante Wasserfälle, die italienische Grenzkammstrasse mit Schützengräben und Bunkern aus dem ersten Weltkrieg, und überhaupt die spektakuläre Natur als solche. Wir werden wiederkommen, und dann mit festem Schuhwerk, einem Rucksack und leichter Kleidung. Man kann die vielen Schönheiten nur erwandern, denn viele Sehenswürdigkeiten sind mit einem Fahrzeug nicht zu erreichen.

An der Soča. An der Soča.

Wir verbringen noch einen kompletten Tag an der Soča und lassen unseren Urlaub gemütlich ausklingen, denn morgen müssen wir sagen „Ciao, ciao, Bambini“, denn dann geht es Richtung Heimat.