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Gestern abend hatte uns Gallina berichtet, dass sich Touristen in einem Büro der Miliz melden müssen, um sich dort einen Stempel in den Pass einzutragen. Dieser Stempel sei für die Ausreise unbedingt erforderlich. Sie könne nicht mitkommen, hat uns aber beschrieben, wo sich die Milizstation befindet (im Hinterhof eines Restaurants am Novocherkasskyi-Prospekt). Ich halte das für einen ausgemachten Blödsinn, denn seit der Öffnung aller Grenzen vor 10 Jahren und dem Wegfall der Intourist Schikanen, wo jeder Aufenthaltsort genau vorherzubestimmen war, kann man ja als Individualtourist beliebig durch das Land reisen. Da dennoch ein gewisser Unsicherheitsfaktor bleibt, und man wohl auch an vielen Stellen (noch) auf althergebrachte Bürokraten stossen wird, müssen wir uns wohl oder übel den Stempel holen.

Also heisst es: früh aufstehen, denn die Milizstation hat nur Montags, Donnerstags und Freitags, jeweils von 10 – 12 Uhr geöffnet, und die Bearbeitungszeit soll ca. 1 Woche dauern (was machen Touristen, die nur 3 Tage hier bleiben?).

Wir drücken uns einige pappsüsse Kuchenstückchen hinein, die von gestern abend noch übrig geblieben sind, und versuchen dann, in das Stadtzentrum zu kommen.

Nach kurzer Orientierungsphase finden wir eine Stelle direkt vor unserem Wohnblock, an der wir den Taxi-Bus anhalten können. Die Taxi-Busse sind kleine Ford Transit oder ähnliche Autos aus russischer Produktion, die den ganzen Tag bis spät in die Nacht die Menschen kreuz und quer durch die Stadt befördern (neben Metro, Bussen, Trolly-Bussen und Strassenbahnen). Der Vorteil dieser Art der Beförderung ist, dass alle paar Minuten ein solcher Bus vorbeikommt. Es gibt keine festen Haltestellen – einfaches Handheben genügt, um zu signalisieren, dass man mitfahren möchte.

Coca Cola ist überall. Coca Cola ist überall.
Busticket. Busticket.

Wir zahlen zusammen 12 Rubel (= 1 DEM), und der Taxi-Bus bringt uns in die Stadt. Wir haben während unseres gesamten Aufenthaltes hier diese Art der Beförderung immer wieder genutzt. Das Restaurant, hinter dem sich die Milizstation befinden soll, ist schnell gefunden, die Miliz jedoch nicht. Hinter dem Restaurant befinden sich nur reihenweise dunkelbraune, geschwärzte Wohnblocks, unbefestigte Wege mit vielen Pfützen. Es stinkt. Missmutige Menschen laufen durch die Gegend. In einer Buchhandlung fragen wir nach der Miliz. Man spricht leider nur russisch, aber eine Frau will uns helfen, indem sie vorangeht. Wir unterqueren durch eine Passage die Strasse, und schlagen uns auf der gegenüberliegenden Strassenseite durch etliche Hinterhöfe – keine Milizstation. Die Frau aus der Buchhandlung fragt bei mehreren Passanten nach, und bekommt unterschiedliche Informationen. Mal soll die Station hier sein, mal dort – keiner weiss Bescheid. Schliesslich schickt uns die Frau in eine völlig andere Strasse etwa 700 m weiter – aber auch hier werden wir nicht fündig.

Da 12 Uhr sowieso schon seit langem überschritten ist, beschliessen wir, ohne Eile nochmal zu suchen, damit wir wenigstens wissen, wo wir am Donnerstag hin müssen. Und siehe da: direkt hinter dem Restaurant liegt ein schwarzes Gebäude, in dem mehrere Ämter ungebracht sind. Leider muss man direkt davor stehen, um das zu erkennen, da es keine Beschilderungen gibt, und die dunklen Hintergassen auch nicht gerade zum Spaziergang einladen.

Wir gehen rein. Eine Dame am Tresen erklärt uns in brüchigem Englisch, dass wir am Donnerstag wieder kommen müssen. Na, immerhin wissen wir jetzt, wo sich die Station befindet.

An diesem Nachmittag und die folgenden Tage kreuzen wir durch die Stadt mit Bus, Metro und Taxi, und schauen uns die unterschiedlichsten Sehenswürdigkeiten an. Was es hier alles gibt, kann detailliert in jedem Reiseführer nachgelesen werden. Ich möchte daher an dieser Stelle auf diese Dinge nicht eingehen und stattdessen beschreiben, wie wir hier leben, und wie wir die Stadt und ihre Menschen empfinden. Diese Gedanken erheben keinen Anspruch auf Objektivität oder gar Allgemeingültigkeit, vielmehr möchte ich unsere subjektiven Empfindungen und Beobachtungen festhalten, die Hanne und ich überwiegend gleichermassen gefühlt haben.

1. Die Wohnung

2. Das Stadtleben und die Menschen