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Heute fahren wir die ca. 10 km hinüber zum Militärmuseum. Führungen finden alle 2 Stunden ab 10 Uhr statt. Bei diesem Militärmuseum handelt es sich um einen ehemaligen sowjetischen Raketenstützpunkt, von dem aus russische Atomraketen in Richtung Westeuropa abgeschossen werden konnten.

Da wir noch etwas Zeit haben bis zur nächsten Führung, durchstreifen wir zunächst das angrenzende Gelände, auf dem sich die Mannschaftsunterkünfte befinden. Das Gebiet ist frei zugänglich und kostenfrei zu besichtigen.

Leider sind alle Gebäude verschlossen, aber durch die Fenster lässt sich erkennen, dass die komplette Innenausstattung noch vorhanden ist. Wir sehen Rohrgestell-Betten, die Messe, Schreibstuben. Alles ist so, als ob die Truppen gerade erst vor wenigen Augenblicken abmarschiert wären.

Wir stellen uns vor, wie es gewesen sein muss, als hier noch militärischer Betrieb war – gellende Kommandos, rhythmischer Marsch, dieselnde Lastwagen. Aber auch das russische Militär besteht nur aus Menschen. Dies wird besonders deutlich, weil es auch Einrichtungen gibt, die ein privates und ziviles Leben betreffen. Da ist zum Beispiel ein Springbrunnenbecken und eine Wassertretanlage, nicht weit davon entfernt ein Kinderspielplatz.

Rechtzeitig zur Führung treffen wir am verschlossenen Tor zur Raketenbasis ein. Von aussen sind verschiedene Bunkeranlagen zu erkennen, auch vier Halbkugeln aus Beton, die aus der Erde wachsen. Dies sind die oberen Abschlüsse der Raketenschächte.

Eine junge Frau führt uns durch das Gelände. Sie erklärt, dass die gesamte Bunkeranlage ohne maschinelle Hilfe, von Hand, ausgehoben wurde. Die Russen hatten ca. 30.000 Esten dazu verdammt, da sie nach Meinung der Russen wenig technischen Sachverstand besitzen, um zu begreifen, was hier vor sich ging, und zum anderen die russische Sprache nicht verstanden.

Tiefer und tiefer steigen wir in das Bunkersystem. Leider können wir nicht alle Erläuterungen der Führerin verstehen, da sie nur litauisch spricht, aber eine junge Frau, die auch an der Besichtigung teilnimmt, kann teilweise übersetzen.

Im ehemaligen Kontrollzentrum befinden sich jetzt Schautafeln (Uniformen, Gebrauchsanweisungen für Gasmasken und derlei Dinge mehr). Ein ca. 5 Meter langer Dieselmotor rostet in einem anderen Raum vor sich hin. Früher einmal hatte er die gesamte Station über Generatoren mit elektrischem Strom versorgt.

Durch dunkle und kalte Gänge geht es weiter zur Hauptattraktion, den 27 m tiefen Raketenschächten. Der Einstieg ist nur durch eine sehr enge Luke möglich (kein Durchkommen für Dicke!). Man befindet sich dann auf einem Rondell oberhalb des Schachts, der endlos in gähnende Teife verschwindet. Das Rondell ist mit einer 360 Grad Einteilung versehen, anhand derer die Rakete offensichtlich auf ihre vorgesehene Flugbahn ausgerichtet wurde.

Bei den hier stationierten Waffen handelte es sich um Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von ca. 3000 km, gut also, um ganz Westeuropa und die Türkei zu erreichen. Uns schaudert bei dieser Vorstellung und bei den Eindrücken, die wir in diesen unterirdischen Gängen erleben.

Nach der Aufgabe des Stützpunktes 1978-1980 wurde das ganze Gewölbe mit Wasser geflutet, um die vorhandene Radioaktivität aufzunehmen. Jeder, der einmal in diese Gegend kommt, sollte sich diese Basis ansehen – ein Erlebnis, das sich nicht alle Tage bietet.

Unterwegs auf Litauens Schotterpisten. Unterwegs auf Litauens Schotterpisten.

Abends sitzen alle Hausgäste gemütlich beim Grillen zusammen. Wir sprechen über die verschiedenen Kulturen, über Politik und die Menschen im Allgemeinen – ein denkwürdiger Tag geht zu Ende.

Gedankenaustausch mit allen Pensionsgästen. Gedankenaustausch mit allen Pensionsgästen.

Bilderalbum Raketenbasis

Wir fahren etwa 50 km nach Salantai, um das dortige Absurditätenmuseum auf dem Bauerngehöft der Familie Orvydas zu besichtigen. Ursprünglich hatte ein begabter Steinmetz damit begonnen, Grabsteine für die naheliegende Kirche herzustellen. Als in den 60er Jahren auf Befehl Chrustchows alle Grabsteine vom Friedhof entfernt werden mussten, wandten sich die verzweifelten Bewohner von Salantai an den Steinmetz. Er erlaubte ihnen, die Steine in seinem Garten aufzustellen. Das Anwesen wurde grösser und grösser und weit bekannt. Die Sowjets lösten die Sammlung auf, aber es kamen immer wieder neue Exponate hinzu. Selbst eine systematische Zerstörung des Gartens durch die Russen konnte seine Anziehungskraft nicht eindämmen.

Es finden sich hier eine Vielzahl an Grabsteinen, Holzkreuzen, Skulpturen, Bäumen, Plastiken usw. Der Garten verdient den Begriff „Absurd“ in der Tat, denn er hat auch etwas Mystisches und Gespenstisches an sich. Dennoch ist es wunderschön, denn er wirkt auch freundlich und erholsam.

Bilderalbum Absurditätenmuseum