Menü
  • Kroatien | Irgendwo an der Küste.

  • Kroatien | Hafeneinfahrt von Dubrovnik.

  • Montenegro | In einem Dorf im Nirgendwo.

  • Montenegro | Bei Kotor | Restaurant "Alte Mühle" (Stari Mlinij).

  • Montenegro | Durmitor Gebirge.

  • Montenegro | Küste bei Petrovac.

  • Montenegro | Virpazar am Skutari See.

  • Montenegro | Skutari See | bei Rijeka Crnojevica.

  • Montenegro | Unterwegs zum Mount Lovcen.

Kapitel 4 - Der Osten

Wir schlagen östliche Richtung ein. Ziel: die Tara Schlucht. Bereits kurz hinter Zabljak werden wir von einer Polizeistreife aufgehalten. Die Polizeipräsenz in Montenegro ist gross. Speziell an den Ein- und Ausfahrten zu grossen Ortschaften stehen IMMER Polizeipatroullien, häufig auch an „strategisch“ wichtigen Punkten wie Brückenauffahrten usw. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen (meist 40 km/h, oder auch 30 km/h) sollte man unbedingt einhalten, denn das liebste Spielzeug der Polizeibeamten ist die Radarpistole. Diesmal erwischt es uns. Galt auf dem letzten Kilometer noch 80 km/h, steht auf freier Strecke ein Beschränkungsschild auf 60 km/h. Mitten auf der Strasse, etwa 40 Meter hinter dem 60 km/h-Schild, steht ein VW Golf, der da anscheinend parkt.

Während die BMW beim Passieren des 60er Schildes langsamer wird, um am Golf vorbeizurollen, springt ein Polizist aus dem Gebüsch am linken Strassenrand und hält uns an. Wir sind angeblich zu schnell gefahren. Zum Beweis geht der Polizist zurück zu seinem im Busch versteckten Auto und druckt eine Art Kassenzettel aus, auf dem die gemessene Geschwindigkeit steht: 85 km/h. Ich diskutiere mit ihm herum (leider versteht keiner den anderen). Es kann gar nicht sein, dass wir so schnell waren, da ich sowieso maximal 80 km/h fahre, mehr ist ja auf freier Strecke für Motorräder auch nicht erlaubt. Ausserdem ist das 60er Schild noch nicht mal 40 Meter entfernt, soll ich denn am Schild eine Vollbremsung hinlegen? Der Polizist besteht auf der Geschwindigkeitsüberschreitung, zeigt aber Entgegenkommen und reduziert seinen Strafbetrag von 23 € auf 15 €. Na dann, lass dir dein Freibier schmecken! Die ausgestellte Quittung gibt ein schönes Souvenir.

Nach etwa 35 km erreichen wir die Schlucht des Flüsschens Tara. Ein imposantes Brückenbauwerk spannt sich 150 m hoch über die Tara. Die 1941 fertiggestellte Brücke hat 5 Bögen und wäre fast vollständig dem Krieg zum Opfer gefallen. Die Partisanen beschlossen damals die Brücke zu sprengen, um den von Norden anrückenden Feinden den Vormarsch unmöglich zu machen. Der Ingenieur Lazar Jaukovic wurde beauftragt, den mittleren Bogen zu zerstören – ein schwerer Job für den jungen Mann, da er nur ein Jahr zuvor tatkräftig beim Bau der Brücke beteiligt war. Er führte den Auftrag aus und der Feind konnte aufgehalten werden. Jaukovic wurde jedoch später von den feindlichen Truppen gefangengenommen und auf der Brücke hingerichtet. Die Büste am westlichen Ende der Brücke erinnert an ihn.

Nach einem köstlichen Kafe in der Kneipe oben an der Brücke fahren wir weiter nach Süden durch die spektakuläre Tara Schlucht (die tiefste Schlucht Europas). Die Tara ist der längste Fluss in Montenegro. Auf einer Länge von 140 km schlängelt er sich durch das bergige Land. Die Tara Schlucht ist nach dem Grand Canyon die zweitgrösste Schlucht der Welt.

Brücke über die... Brücke über die...
...Tara Schlucht. ...Tara Schlucht.

Von Mojkovac aus geht’s weiter nach Osten bis kurz vor Bijelo Polje, von da ab auf der E65 nach Süden nach Berane und weiter nach Plav. Plav liegt nahe an der Grenze zu Albanien und der Republikgrenze zu Serbien. Im Mittelalter war das Gebiet mehrere Jahrhunderte unter der Herrschaft der Osmanen, so sind die türkischen Einflüsse beispielsweise in der Architektur der älteren Häuser noch gut sichtbar. Es gibt auch zwei Moscheen, die ältere und kleinere der beiden besitzt ein wunderschönes, holzgeschnitzes Minarett. Weil Plav so nahe an Albanien liegt, leben sehr viele Albaner und albanischstämmige Montenegriner hier. Einmal im Jahr rückt der kleine Ort in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Im Sommer reisen die albanischstämmigen Montenegriner aus der ganzen Welt an, darunter aus den USA, Australien und vielen europäischen Ländern. Sie lassen bei Musik, Tanz und gutem Essen ihre alten Traditionen für einige Tage aufleben und pflegen sie. Das Städtchen quillt über vor lauter Leben. Wie in der Türkei sitzen alle Männer in den Cafes beim heftigen Gedankenaustausch. Altersschwache, dafür frisierte Autos quetschen sich lautstark durch die Gassen. Junge Frauen im Minirock staksen hochhackig durch die Gemüsestände, während auch verschleierte Gesichter uns einen scheuen Blick zuwerfen.

In Andrijevica wollen wir etwas essen, aber es gibt nichts. Selbst ein grosses Hotel in der Ortsmitte bietet auf der schattigen, in den Stadtpark mündenden Terasse, nur Getränke an. Offensichtlich können es sich die Montenegriner nicht leisten, im Lokal zu speisen, auch wenn uns Westdeutschen die Preise lächerlich gering erscheinen. Kein Wunder, wenn man durchschnittlich 100 € im Monat verdient, und die Preise für Lebensmittel im Supermarkt sich von denen in Deutschland kaum unterscheiden.

So schön die Lage von Andrijevica hoch oben über dem Fluss Lim ist, so traurig erscheint uns der Ort auch. An jeder Ecke lagert, wie überall in Montenegro, Müll (Dosen, Plastiktüten und Flaschen, Windeln, Damenbinden und derlei mehr). Aber nicht nur der Müll macht die eigenartige Stimmung aus. Im Städchen sind die typisch montenegrinischen Häuser zu entdecken, daneben Gebäude aus kommunistischer Zeit, und die kommunistische Vergangenheit will auch niemand verbergen, sie wird als Teil der eigenen Geschichte akzeptiert. Auch wenn munteres Strassentreiben herrscht, wirkt doch alles irgendwie ein wenig bröckelig und vergammelt. Während wir im Schatten sitzen und dem Treiben zuschauen, überlegen wir, wieviel attraktiver und schöner alles sein könnte, wenn man mal die Fensterrahmen frisch streichen würde und die vielen Schmierereien der Spraydosen auf den Hauswänden entfernen würde.

Abends erreichen wir nach einer tollen Passfahrt Kolasin (4500 Einwohner). Weitläufige Plätze mit Strassencafes im abendlichen Sonnelicht lassen uns die Stadt sofort sympathisch erscheinen. Nachdem Hanne im maroden Aufzug eines Hotels (mal wieder typischer Kommunistenbunker: dunkel, ausgefranste Teppichböden, verfaulte Tapeten, nicht schliessende Türen usw.) zwischen zwei Stockwerken steckengeblieben ist und sich nur mit Mühe und Not selbst befreien konnte, ist diese Unterkunft für uns gestorben. Viel besser geht’s uns da in der „Vila Jelka“, nur ein paar hundert Meter weiter in einer Seitenstrasse. Eine Familie hat ihr Haus umgebaut und eine Bar, einen Frühstücksraum, und 4 Pensionszimmer liebevoll eingerichtet. Ist das herrlich! Nach unserem traditionellen „Ankommen-Bier“ wird geduscht und sich schön gemacht, und später gehen wir essen im Restaurant „Vodenica“ gleich um die Ecke, eine umgebaute Mühle, die nach dem Umbau dem Restaurant sein besonderes Ambiente gibt. Wir sind (mal wieder) die einzigen Gäste. Es gibt einheimische Spezialitäten nach Art der Region mit einem Korb frischem, selbst hergestelltem Brot. Nur zu empfehlen!

Kloster Moraca. Kloster Moraca.

Durch die lange Moraca Schlucht führt uns der Weg nach einem Besuch des Klosters Moraca weiter nach Süden. Die Hauptstadt Podgorica ist schnell durchquert, dann wird es immer heisser – wir nähern uns der Küste.