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Kapitel 5 - Der Süden (1)

Sveti Stefan. Sveti Stefan.

Weiter über Budva und Sveti Stefan nach Petrovac. Hier wollen wir Quartier machen, um von hier aus in Tagesetappen den südlichen Teil des Landes zu erkunden. Die Entfernungen sind insgesamt nicht weit. Petrovac selbst ist sehr touristisch, und wir finden nichts, was unseren Vorstellungen entspricht (nur Absteigen direkt an der Flaniermeile, direkt daneben Disko, Spielautomaten usw.). Etwa 3 km ausserhalb des Ortes steht an der Strasse ein bemaltes Ölfass: „Zimmer – Rooms – Sobre“. Ein alter Serbe versorgt das Haus. Wir übernachten für 10 € mit herrlicher Meeresblick-Terasse (Selbstverpflegung). Der einzige Grund, warum wir am nächsten Tag weiterfahren, ist die etwas muffige Toilette.

Etwa 10 km nach Petrovac in Richtung Bar gibt es das Örtchen Buljarica. Es bietet einen Supermarkt, eine Tankstelle, mehrere Lokale und Campingplätze mit Hütten und Baumbestand, und einen Campingplatz direkt am Meer ohne einen einzigen Baum (uahhh – bratzel). Es gibt einen 2 km langen Kiesstrand, der überwiegend von Einheimischen benutzt wird. Der Strand ist (zumindest um diese Jahreszeit) sehr sauber. Es gibt keine Dosen und Plastiktüten, die herumliegen, auch keinen Hundedreck.

Direkt am Strand befinden sich neben der Strandbar und einem Fischlokal einige neue Häuser. Hier mieten wir für die nächsten Tage ein Appartment für 40 € die Nacht (nagelneu, geschmackvoll eingerichtet, Kühlschrank, Aircondition, 15 m bis zum Meer mit Seeblick von unserer 30 qm grossen Terasse).

Der Strand wird tagsüber von maximal 100 Menschen bevölkert, was natürlich in einigen Wochen mehr werden wird, aber im Augenblick kann das Paradies nicht schöner sein. In der Umgebung zeigt mir Hanne dauernd die herrlichsten Pflanzen, die bei uns nur mühevoll hochgepeppelt werden können, hier aber in schier unendlicher Pracht wild um sich wuchern. Mit den Armen nicht mehr zu umspannende Palmen spenden Schatten, meterhohe und weitverzweigte Kakteen blühen in den grellsten Farben.

Alle Menschen sprechen mehr oder weniger gut Deutsch und sind immer bemüht, einem weiterzuhelfen. Wenn auch mit Englisch nichts mehr gehen sollte, hilft immer noch die Zeichensprache.

Beim Einkaufen muss ich feststellen, dass die Preise für Lebensmittel genauso hoch liegen wie bei uns in Deutschland, nur Zigaretten sind billiger.

Dafür spricht sogar die Dame an der Käsetheke des Supermarktes gut Deutsch. Wir essen am Strand im Fischlokal und in der Konoba „Nobel“ oben an der Hauptstrasse bei Preisen zwischen 1 € und 4 € die leckersten und ausgefeiltesten Fischgerichte.

Übernachtung beim Serben... Übernachtung beim Serben...
...mit romantischem Sonnenuntergang. ...mit romantischem Sonnenuntergang.
Örtchen Buljarica. Örtchen Buljarica.
Strand von Buljarica. Strand von Buljarica.
Leckereien in der Konoba "Nobel". Leckereien in der Konoba "Nobel".
Im kleinen Fischlokal direkt am Strand. Im kleinen Fischlokal direkt am Strand.

Nach dem Essen teste ich den hausgemachten Traubenschnaps (wahrscheinlich hat hier jeder seine eigene Distille im Keller). Bei mehr als 50% schiessen mir die Tränen in die Augen, und Hanne amüsiert sich königlich. Nur der Wein ist teuer (6 bis 9 € die Flasche). Die Bedienungen reissen sich beide Beine für uns aus. Es ist einfach herrlich.

Wir faulenzen am Meer, gehen Schwimmen und verbrennen uns kräftig den Pelz. Die Temperaturen liegen täglich über 40 Grad, nur direkt am Meer ist es jetzt auszuhalten (immer etwas Wind), und in unserem Appartmenti mit der Aircondition. Auch nach Aussage der Montenegriner ist dies für diese Jahreszeit definitiv zu heiss. Solche Temperaturen hat man maximal Ende Juli, Anfang August. Normalerweise sollte es jetzt Anfang Juni um die 25 Grad haben.

Bei einem Rundgang an einem Abend landen wir weiter oben am Hang bei einem von weitem sichtbaren, weissen Haus. Das serbische Ehepaar vermietet auch Zimmer, und wir sind sofort im Gespräch (beide sprechen perfekt deutsch). Wir erfahren, dass die Regierung in Montenegro überwiegend sehr korrupt sein soll. Zumindest laufen viele organisatorische Dinge des Alltags häufig sehr willkürlich ab. Mit Beziehungen und Bestechungsgeldern kommt man schneller vorwärts. Eine Baugenehmigung sei nicht unbedingt erforderlich, jedoch kann es schon vorkommen, dass ein neidvoller Nachbar während der Errichtung eines Hauses die örtliche Lokalpolitik benachrichtigt, und ein Bagger kurzerhand wieder alles einreisst. Erst, wenn ein Gebäude zumindest die erste Decke besitzt, ist kein Abbruch mehr möglich.

Der Serbe bezieht seine Rente aus Deutschland. Daher muss sein erster Wohnsitz in Deutschland angemeldet sein. Aufgrund seiner Blindheit (Vollinvalide) muss er darüber hinaus alle 3 Monate nach Deutschland, um sich vom Roten Kreuz kontrollieren zu lassen. So sind die beiden auch immer unterwegs und pendeln zwischen Montenegro und Deutschland.

Auf einer Tagestour besuchen wir zunächst die Stadt Bar. Hanne will einige Klamotten kaufen, aber es ist schon wieder zu heiss, das ganze macht keinen Spass in der durchgeschwitzten Jeans und mit den schweren Motorradstiefeln.

Dann fahren wir auf der alten Hauptstrasse von Bar über Tudemili und Sutorman zum Skutari See. Es ist eine wunderschöne Passstrasse durch unberührte Natur. Manchmal ein paar Frostaufbrüche oder Steinschlag, aber eine der schönsten Traumstrassen!

Unterwegs zum Skutari See (Skadarsko jezero). Unterwegs zum Skutari See (Skadarsko jezero).

Einige kleinere Müllhalden am Strassenrand muss man einfach ignorieren, und auch die rücksichtslos abgestellten Schrottautos, die noch einige Jahrzehnte vor sich hinrosten. Wie bereits erwähnt, nehmen es die Montenegriner mit Umweltschutz nicht so genau. Hoffentlich findet diesbezüglich noch ein Umdenken statt, denn das Land gilt als eines der reizvollsten und unberührtesten an der ganzen Adriaküste. Es gibt hier die seltensten Tier- und Pflanzenarten, und es wäre eine Tragödie, wenn man diese Schätze durch Gleichgültigkeit vernichten würde. Da kommt der Skutari See in Sicht! Es ist einer der grössten Seen Europas und bildet teilweise die Grenze zu Albanien.

Aus dem Reiseführer (1):

„Für Ornithologen ist der Skutari See eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete, für Angler einer der besten Fischgründe, für Ingenieure eines der grössten Frischwasserreservoire des Balkan und für Naturliebhaber einfach ein Erlebnis. Dieser Nationalpark könnte mit seiner einzigartigen Natur problemlos die Kulisse für einen Hollywood-Film der Machart Jurassic-Park abgeben: Kegelförmige Berge, die aus dem Wasser zu wachsen scheinen, tausende weisser und gelber Seerosen, Lichtstimmungen, die von Stunde zu Stunde wechseln. Rund 50 kleine Inseln, teils mit vergessenen Ruinen von Klöstern, Kirchen und Gefängnissen, verteilen sich im See.“

In Virpazar verträumen einige Fischer die heisse Mittagszeit, wir beobachten bei einem Imbiss (frisch gegrillter Fisch aus dem See) eine Wasserschlange, die sich auf den Seerosen tummelt. Eine Bootsfahrt wäre jetzt nicht schlecht! Nach kurzem Herumfragen können wir auf einem kleinem Ausflugsboot Platz nehmen, das uns weit über den See trägt. Der Skutari See (Skadarsko jezero) ist der grösste See auf dem Balkan. Er erstreckt sich auf einer Fläche von 379 Quadratkilometern, davon gehören rund 225 qkm zu Montenegro, etwa 145 qkm zu Albanien. Der See ist 43 km lang und bis zu 14 km breit, seine durchschnittliche Tiefe beträgt allerdings nur 6 Meter.

Nach unserem Bootsausflug müssen wir erst nochmal in der Fischerkneipe einkehren und etwas trinken. Ein paar einheimische Musiker lassen es sich nicht nehmen, uns ein herzzereissendes Ständchen auf Klarinette und Schifferklavier zu geben. Mit vollstem Einsatz geben die Männer eine Volksweise zum Besten. Aus den Instrumenten klingt ihre ganze Leidenschaft und Inbrunst – die melancholische Melodie begleitet uns, bis wir Virpazar verlassen haben, und noch heute ertönen in meinem Ohr manchmal die glasklaren Pirouetten der Klarinette.

Bei der Weiterfahrt trägt uns die treue Maschine trotz der Hitze auf dem kleinen Strässchen über Komarno und Rijecani weiter nach Rijeka-Crnojevica. Der Weg ist vergleichbar mit den kurvenreichsten Strecken auf Korsika oder in den französischen Cevennen. Kurz vor Rijeka-Crnojevica müssen wir nochmal Pause machen, sonst trifft uns der Hitzschlag. Das Thermometer an der BMW hängt bei 43 Grad am Anschlag. Weitere Ausflüge sind für heute gestrichen. Eigentlich wollten wir in Rijeka-Crnojevica links nach Cetinje und zum Mount Lovcen fahren, aber wir disponieren um – in Rijeka-Crnojevica biegen wir stattdessen rechts ab, um schnellstmöglich wieder auf die Magistrale zu kommen.

Marktstand in Virpazar. Marktstand in Virpazar.
Man bringt uns ein Ständchen. Man bringt uns ein Ständchen.
Spektakuläre Ausblicke. Spektakuläre Ausblicke.
Seitenarm des Skutari Sees. Seitenarm des Skutari Sees.

Wie es manchmal so sein soll, beschert uns diese Richtungsänderung eines der grössten Natur-Spektakel. Während der Bergauffahrt aus dem Seedelta steht plötzlich oben am Berg ein blitzsauberes Hotel („Motel Gazivoda“). Einkehr – kaltes Wasser – erfrischender Espresso – und eine der grandiosesten Aussichten, die ich je erlebt habe:

Tief unten im Tal schlängelt sich einer der Flussarme des Skutari Sees in einer 360 Grad Wendung um einen Berg, im Hintergrund steigen, wie von Riesenhand künstlich hingepflanzt, zwei weitere, völlig freistehende Berge steil in die Höhe. Milliarden von Seerosen lassen den Flusslauf erscheinen, als ob er nur ein Drittel so breit wäre, als er tatsächlich ist. Es ist ein Spektakel allererster Güte, und wir wollen gar nicht mehr weiterfahren, deshalb quartieren wir uns auch gleich im Motel Gazivoda ein, mit Blick von ganz oben in das Seedelta.

Abendessen im "Gazivoda". Abendessen im "Gazivoda".