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Kapitel 13 - Kahve, russische Titten und die Heimat

Heute ist Donnerstag, der 24. Juni 1993. Mein genaues Tagesziel steht nicht fest. Seitdem mich Ostanatolien, der Nemrut Dagi, der Ararat und der Ishak Pasha Palast in ihren Bann geschlagen haben, ticken die Uhren anders. Nichts erscheint mir mehr wichtig. Zusammen mit dem Mann, der das Lokal betreibt, sitze ich draussen auf der Terrasse, und frühstücke. Wir unterhalten uns über das Leben hier. Er scheint zufrieden zu sein, die Armut stört ihn nicht – warum auch? Er hat sein Auskommen und viel Zeit. Westliche Massstäbe kann man hier nicht ansetzen. Erst spät am Vormittag breche ich auf.

Die Fahrt geht zunächst rund um den Ararat herum, der nun zum Greifen nahe ist. Unterwegs immer wieder steinewerfende Kinder, aggressive Hunde, die mich anfallen wollen, und militärische „Wachtürme“ und Kontrollen. Die Wachtürme sind aus Steinen aufgeschüttete Podeste, über die man notdürftig ein Blechdach auf Hölzstämme genagelt hat. Unter dem

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Blechdach schieben junge Soldaten Wache. Ich kann mir vorstellen, dass ich auch auf die Kurden schimpfen würde, wenn ich hier tagein, tagaus, fern meiner Heimat, bei jedem Wetter, ohne Klo und richtiges Essen, auf verdächtige Bewegungen in der weiten Umgebung achten sollte. Da stellt sich unwillkürlich die Sinnfrage und es ist bestimmt nicht auszuschliessen, dass so manche kurdische Familie einfach so mal eins aufs Auge bekommt, um den eigenen Frust loszuwerden. Immer wieder ducken sich olivgrüne, gepanzerte Fahrzeuge in die karstige Landschaft. Sie sind fast nicht auszumachen, und man muss sich schon darauf spezialieren und ein sensibilisiertes Auge haben, um sie wahrzunehmen.

An der russischen/armenischen Grenze. An der russischen/armenischen Grenze.
Die alte Cobandede Brücke über den Euphrat, kurz vor Erzurum. Die alte Cobandede Brücke über den Euphrat, kurz vor Erzurum.
In Erzurum. In Erzurum.

Zwischen Igdir und Tuzluca führt der Weg direkt an der russichen (armenischen) Grenze entlang. Die Ortschaften sind furchtbar heruntergekommen, es stinkt. An manchen Stellen kann ich einen grossen Stacheldraht erkennen, der durch die Landschaft führt. Dahinter stehen russische Panzer mit aufgereckten Kanonenrohren, die herüberzielen. Hoffentlich bin ich bald weg hier! Diese Umgebung macht keinen Spass und drückt mir auf das Gemüt. Ich lasse auch vorsichtshalber die Kamera im Tankrucksack und mache keine Fotos, halte auch nicht an.

Etwa 100 Kilometer nach Tuzluca stösst die Strasse auf die E 80, die TIR Hauptverbindungsstrecke zwischen Erzurum und Kars. Die Natur wird wieder etwas üppiger, was die Stimmung erheblich steigen lässt. Ich folge dem Euphrat, der träge seine Bahn zieht, bis nach Erzurum. Etwa auf halber Strecke befindet sich die alte Cobandede Brücke, die mit ihren 7 Bögen den Euphrat überspannt. Ein durchsiebtes Schild zeigt, dass auch hier wenigstens immer noch Schiessübungen stattfinden. Erzurum bietet ein buntes Bild zwischen Moderne und Antike, wenn winzige Holzhäuschen direkt neben neuen Stein- oder Betonhochhäusern kauern, oder am Busbahnhof gleichberechtigt Dolmusse und Pferdedroschken Passagiere aufnehmen.

Ich streife ein wenig durch die Stadt, besuche die Cifte Minare Medrese, eine seldschukische Koranschule aus dem 13. Jahrhundert mit zwei Minaretten aus rotem Stein, und bin fast dabei, einen ganzen Schmuckladen aufzukaufen, so schöne, einfache, handgefertigte Stücke liegen in dem winzigen Schaufenster.

Da ich bis jetzt gut vorangekommen bin (die Strassen sind wieder geteert und schnell befahrbar), will ich noch ein Stückchen weiterfahren. Die Sonne lacht vom Himmel, die Menschen wirken wieder freier und unbefangener. Ich möchte auf meiner Reise auch die Schwarzmeerküste kennenlernen. Was bietet sich da besseres an, als bereits hier die richtige Richtung einzuschlagen? Ausserdem gibt es in Trabzon ein altes griechisches Kloster (Sumela), das bestimmt einen Besuch wert ist. Daher zweige ich in Askale rechts ab auf die E 97. Es dauert nicht lange, da hört die Asphaltstrecke schlagartig auf. Es geht nur noch auf Schotter weiter. Erst freue ich mich, denn der Weg ist einigermassen breit und zügig befahrbar, ohne Schlaglöcher. Nach etwa 100 Kilometern ist jedoch immer noch kein Asphalt in Sicht, die Route steigt jetzt in das Pontische Gebirge. Da alles staubtrocken ist, sehe ich mittlerweile aus wie einer, den man durch den Staubsauger gezogen hat. Entgegenkommende Busse ziehen eine kilometerlange Staubfahne hinter sich her, durch die ich hindurch muss. Mein Hals kratzt, die Zunge klebt, das Visier ist so verschmiert, dass ich nichts mehr sehe. Die Sonne neigt sich dem Horizont zu, und immer noch nichts als Staub über dem Land. Dann beginnt eine Baustelle. Lastwagen rangieren am Wegesrand hin und her, Trecker schaufeln Erdboden. Ich kann nur noch mit geöffnetem Helm fahren, da mir die mir entgegenscheinende, tiefstehende Sonne durch das Milchglasvisier vollends die Sicht raubt. Minuten später fühlen sich meine Augen an, als habe ich sie mir beim Schweissen verblitzt. Die Augenlider kleben bei jedem Wimpernschlag aneinander.

Mit untergehender Sonne erreiche ich Gümüshane. Ein Brunnen! Ich klopfe meine Klamotten ab. Die Stelle sieht wahrscheinlich heute noch so aus, als ob hier jemand einen Sack Zement ausgeleert hätte. Die Jacke fliegt auf den Erdboden und ich tauche mit dem ganzen Oberkörper unter das eiskalte Wasser. Minutenlang nehme ich das Wasser in beide Hände auf, klatsche es mir in das Gesicht und spüle es durch meine Haare. Ist das köstlich! Als ich mich umschaue, hat sich eine kleine Menschentraube um mich herum gebildet, die mich neugierig beobachtet. Ein merkwürdiger Tourist! Was will der wohl in dieser Gegend? Ich fühle mich reichlich erschöpft und hungrig und will gerade anfangen zu überlegen, wo ich heute übernachte, als mich zwei junge Männer aus der Menschentraube ansprechen. Sie bedeuten mir, mitzukommen. Nur 10 Meter weiter gibt es einen kleinen Lebensmittelladen. Ob sie meine Gedanken erraten haben?

"Lebensretter" in Gümüshane. "Lebensretter" in Gümüshane.

Ich will gerade beginnen, mir einige Getränkedosen und ein Brot aus den Regalen zu nehmen, da muss ich mich auf Geheiss eines der Männer erst einmal auf ein Stühlchen setzen. Der andere der beiden rennt los, und kommt nach zwei Minuten triumphierend mit einer Tasse echten türkischen Kahve zurück. Für mich! Ich bin sprachlos, bedanke mich herzlich und denke wieder einmal an die türkische Gastfreundschaft. Ich muss wohl wirklich einen extrem erschöpften Eindruck machen, aber es stimmt schon: ich bin ganz schön geschlaucht.

Die Jungs haben mir gewissermassen das Leben gerettet. Ich kaufe königlich in ihrem kleinen Laden ein, verpacke alles nur provisorisch auf das Motorrad, da ich nicht mehr weit fahren will, und sage auf Wiedersehen. Stolz schauen mir die beiden hinterher, nachdem sie mir ihre Adresse gegeben haben, und ich ihnen versprochen habe, ihnen das vor ihrem Geschäft aufgenommene Foto zuzusenden.

Die Strasse besitzt wieder eine Teerdecke, steigt aber immer weiter kontinuierlich an. Der Staub hat aufgehört, dafür gibt es saftige Wiesen links und rechts, später vereinzelte Büsche und Bäche, aber keinen Platz zum Übernachten. Es wird langsam dunkel. Ich sollte allmählich etwas finden! Zwischen Torul und Macka windet sich die Strasse nun einen Pass hinauf. Die Passabfahrt gehört zum geilsten Motorraderlebnis dieser Tour überhaupt. Wie in Trance schwingt die Maschine mit mir von einer Kurve zur anderen. Links steilaufragende Felsen, rechts abgrundtiefe Leere, ganz unten ein kleiner Fluss. Voraus Kurven, nichts als Kurven! Hin und wieder ein Tunnel oder ein Lastwagen – mit hoher Geschwindigkeit ballere ich den Pass hinunter und lasse im Ausklingen der letzten Kehren ein jaulendes „OOOOuuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiijjjjjjaaaaaaaaaaahhhhhh“ aus dem Helm fahren.

Die letzten Kilometer habe ich meinen Hunger vor lauter Begeisterung völlig vergessen. Nun bringt er sich mit knurrendem Magen umso lautstarker wieder in Erinnerung. Es ist fast völlig dunkel. Immer noch kein Schlafplatz. Eigentlich bin ich kein Freund davon, bis abends spät zu fahren, und dann die Nacht irgendwie improvisiert zu verbringen. Ich hatte mir auch vorgenommen, in der Türkei nie nachts zu fahren, da ja immer viele Fahrzeuge unterwegs sein können, die keine richtige Beleuchtungsanlage besitzen (vor allen Dingen auch Pferdefuhrwerke oder Eselskarren), und es manchmal auch tiefe Schlaglöcher oder gar fehlende Kanaldeckel geben soll.

Leider muss ich heute meinen Vorsatz über den Haufen werfen. Mit dem letzten Dämmerlicht laufe ich in Trabzon ein und muss an einer Ampel erst einmal zwei Jungs auf einer Jawa loswerden, die mir unbedingt einen Bowdenzug von der BMW abmontieren wollen. Gottseidank finde ich die Zufahrt zum Kloster Sumela mitten in den Bergen recht schnell. Ich hoffe, hier einen Campingplatz vorzufinden, aber dem ist nicht so. Neben dem Autoparkplatz gibt es unter dichten Bäumen einige Quadratmeter ebener Erde neben einem tosend reissenden Gebirgsbach. Der Motor der BMW kommt zur Ruhe. Im Finsteren verzehre ich noch ein Stück trockenes Brot und zwei Efes Biere vom kürzlichen Einkauf.

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Während ich meine Luftmatratze aufpumpe und den Schlafsack ausbreite, überlege ich, woher nur all das Wasser kommen mag, das hier mit wahrhaftig ohrenbetäubendem Lärm über die Steine tost. Ich komme zu keinem Ergebnis mehr. Das Letzte, was ich heute, nach 689 gefahrenen Kilometern (davon etwa 150 Kilometern staubigste Schotterpiste) noch zustande bringe, ist, mir die Ohrenstöpsel gegen den Lärm in die Lauscher zu schieben, ab dann weiss ich nichts mehr.

Am nächsten Tag steige ich bei sengender Hitze, und immer noch völlig erledigt, hinauf zum Kloster Sumela. Es liegt direkt in einer senkrecht abfallenden Steilwand. Bilder mit biblischen Motiven schmücken die Wände und Decken der Höhlenkirche. Das ehemals griechische Kloster wurde 1923 aufgegeben, als die Griechen zwanghaft ausgebürgert wurden. Zurück am Motorrad, frage ich mich, was mich eigentlich dazu bewegen konnte, mir diese Strapazen aufzuerlegen. Der Aufstieg war wahrhaftig alles andere als ein Spaziergang, der Schweiss tropft mir aus allen Poren, das T-Shirt ist klitschenass.

Morgens am Kloster Sumela. Morgens am Kloster Sumela.
Kloster Sumela in der Felswand. Kloster Sumela in der Felswand.

Ich fahre einige Kilometer bis hinter Trabzon und halte an einer Strassengaststätte. Es gibt leckere Köfte und frischen Salat. Ein Einheimischer setzt sich zu mir und erzählt von den russischen Nutten, die tagtäglich mit dem Schiff hierherkommen, um zu „Bumsen“. Er hat wohl einschlägige Erfahrung, denn er erzählt sehr detailliert, und er steht offensichtlich auf „grosse Titten“. Nichts gegen ein gesundes türkisches Mannerselbstbewusstsein, aber der hier glaubt doch tatsächlich, dass die Nutten hierherkommen, weil die Türken so gut bumsen können. Einige Männer am Nebentisch lachen lauthals und bedeuten mir, dass es sich bei ihm um den Dorftrottel handelt.

Ich fahre an diesem Tag etwa 300 Kilometer an der Schwarzmeerküste entlang bis Üniye. Die Gegend ist etwas langweilig, es gibt nichts Besonderes zu sehen. Hin und wieder ein Badestrand, an dem sich Einheimische tummeln.

"Frische Fahrbahn" am Schwarzen Meer. "Frische Fahrbahn" am Schwarzen Meer.

Nervig sind auch lange Streckenabschnitte, in denen die Strasse „neu geteert“ wird. Das sieht dann so aus, dass heisser, flüssiger Asphalt auf die Strasse gekippt wird, und anschliessend Schottersteine darüber gestreut werden. Das Plattwalzen wird durch die vorüberfahrenden Autos und Lastwagen erledigt. Das Motorrad ist über und über mit zähem Teer bedeckt. Naja.

In Üniye finde ich einen kleinen Campingplatz direkt am Meer. Ich bin mal wieder der einzige Gast und besitze das Privileg, den Toilettenschlüssel an mich nehmen zu dürfen. Die Toilette ist richtig gefliest und absolut sauber, mit korrekt funktionierender Spülung und einem kleinen Waschbecken. Sehr vornehm. Man merkt, man kommt wieder in luxuriösere Gegenden.

Ich bin froh, dass es hier eine so komfortable Toilette gibt, denn die nächsten zwei Tage sitze ich hier mit Durchfall fest. Das hat mir gerade noch gefehlt. Offensichtlich ist mir das Essen mit dem Dorftrottel in Trabzon auf den Magen geschlagen. Auch das Wetter schlägt um, es wird richtig kalt, und es regnet. Ich liege frierend im Schlafsack im Zelt, trinke kalte Limonade und schlucke Kohletabletten. Zwischendurch renne ich immer in Motorradstiefeln, in der Unterhose und mit dem Schlüssel in der Hand quer über den Platz zur Toilette. Ich bin zu nichts fähig. Das Grummeln im Bauch will einfach nicht aufhören! Nachts peitscht der Wind das Meer gegen die Küste. Ich warte auf Genesung.

Am Montag reicht es mir. So kann es nicht weitergehen! Ich beschliesse, weiterzufahren. Vielleicht lenkt mich das Fahren ab. Unter Magenkrämpfen wird das Zelt in einer Regenpause in verdächtig langsamer Rekordzeit mit weichen Knien abgeschlagen und auf dem Motorrad verstaut. Frierend verabschiede ich mich von den Gastgebern und zittere dem Ausgang entgegen. Es geht immer weiter an der Küste entlang. Die Häuser machen alle einen sehr europäischen Eindruck, es erinnert mich ein bisschen an Italien. Langsam lässt auch der Regen nach, das Wetter klart auf, bleibt aber zunächst kühl. Die Strecke bis Sinop ist ein bisschen langweilig, zwischen Sinop und Ayancik wird es interessanter und abwechslungsreicher. Zwischen Ayancik und Türkeli verlässt die Strasse das Meer. Sie windet sich durch kleine, verschlafene Dörfchen, es ist wunderschön. Dann wird es immer besser: nach Inebolu brandet das Meer an eine ausgeprägte Steilküste. Die Strasse schlängelt sich mal oben auf den Felsen entlang, mal fällt sie hinunter bis auf Meereshöhe.

Grummeln im Bauch. Grummeln im Bauch.
Schwarzmeerküste... Schwarzmeerküste...
...und die Kinder dort. ...und die Kinder dort.

Die Kinder rufen „Hello – hello!“ und freuen sich, wenn ich zurückwinke. Das Meer wie ein Kristall.

In Cide mache ich Quartier in einem Motel direkt am Strand. Während ich zu Abend esse, dröhnt schmachtende Musik aus der Juke-Box. Ich spüre die warme, salzige Sonne auf der frischgeduschten Haut und trinke Raki – für den Magen. Mir wird richtig wehmütig zumute. Laut Landkarte bin ich schon fast wieder zu Hause (wenn man Griechenland mal nicht zählt). Das Grummeln im Bauch lässt nach. Hoffentlich bekommt mir der Sis Kebab.

Zwischen Devrek und Eregli gibt es zwar eine wunderschöne Bergstrecke, aber sie verlangt viel Konzentration, um auch noch die Landschaft wahrzunehmen, denn die Strecke ist gespickt mit Sand, Schotter und Schlaglöchern, und darüber hinaus ist sie auch noch ausserordentlich eng, so dass kaum zwei Fahrzeuge aneinander vorbeipassen. Wer hupt, ist der Stärkere. Dafür gibt es ausserordentlich hübsche Mädchen, die schüchtern die Augen senken, wenn man sie anblickt. Mir fällt der Spruch ein: „Wenn du ein schönes Mädchen siehst, dann schlage sie nieder – (die Augen)“.

Quelle: motoplaner.de Quelle: motoplaner.de

Tezel Camping in Akcakoca ist meine letzte Übernachtungsstation in der Türkei. Ein hervorragender Platz, der terrassenförmig an der Steilküste angelegt ist, mit einem hübschen Lokal. Dann geht es über Istanbul (heiss, stickig, Dieselqualm, Smog) weiter nach Griechenland. Etwa 50 Kilometer vor der Grenze habe ich einen absoluten Tiefpunkt erreicht.

Anscheinend hat mich der Durchfall doch mehr geschwächt, als ich zugeben wollte. Mir fallen regelrecht die Augen zu und ich habe extremen Hunger. Ein Cay an einer Petrol Ofisi Station (Tankstelle) weckt die Lebensgeister zurück. Ich liebe diesen türkischen Tee.

Die Grenzformalitäten verlaufen ohne Probleme, und im ersten Supermarkt in Griechenland verfalle ich einem Kaufrausch. Die Regale sind vollgestopft mit allem, was das Herz begehrt. Es gibt Bier, frische Wurst und Käse, Fleisch- und Fischkonserven. Alles ist penibel sauber und wohlgeordnet, dafür extrem teuer. Ich steuere denselben Campingplatz in Alexandroupolis an, auf dem ich auch auf dem Herweg bereits Station gemacht hatte. Es gibt Nudeln mit Fleisch und Rotwein. Ich fühle mich so erschlagen und gleichzeitig zufrieden, dass ich es niemandem beschreiben kann, und ich werde hier noch einige Tage bleiben, um im Meer zu baden, das Motorrad zu checken, zu faulenzen, und um die Eindrücke der Türkei nachwirken zu lassen, bevor ich dann den endgültigen Heimweg antreten werde.

Es war eine wunderschöne, erlebnisreiche Reise, aber ich weiss jetzt auch: nur wer weit weg war, lernt die Heimat schätzen, und kommt gerne wieder nach Hause.