Menü
  • Deutschland | Elbsandsteingebirge.

  • Polen | Unterwegs nach Zlotoryja.

  • Polen | Die Oder bei Prawikow.

  • Polen | Masuren | Wolfsschanze.

  • Polen | Bialowieskazer Heide | Grenzgebiet zu Weissrussland.

  • Polen | Terespol | Camping nahe Weissrussland.

  • Polen | Oswiecim (Auschwitz) | Gedenktafel.

Masuren bis Auschwitz

Grenze Weissrussland, nach Süden geht’s nun
Die Bialowieskazer Heide sich weit auftut.
Am Grenzfluss – der Bug – die Fähre liegt tot
Umweg nach Kozki, der Abend wird rot.

Dreissig Grad Hitze, die Birne ganz rot
Noch Enduro Sonderprüfung, tut das jetzt not?
Schlammloch, Staub und Wiesenhecken
Endlich dann die Knie ausstrecken.

Auf Wiese von Motel in Terespol
S’ war langer Tag, zwei Bier ich hol.
Eine Spuckweite nur bis rüber nach Belarus
Ist friedlich hier – na dann: gut Nacht uns!

Die nächsten Tage geht’s weiter nach Süden
An Grenze Ukraine, und Wetter mit Regen.
Endlich tut sich das Gebirge der Tatra vor uns auf
Und den Moppeds macht’s Spass die Berge rauf.

Zwischen Zakopane und Jordanov
Stehen Holzhäuser, so schön, da sind wir ploff.
Die Strecke ist wie auf einer Achterbahn
Es ist so schön, das Mopped fahrn.

Man ist sich eins mit der Maschine
Und schiebt die Gänge durch in dem Getriebe.
Die Reifen satt auf dem Asphalt
Das Bollern aus dem Auspuff knallt.

Dynamisch schräg liegen die Maschinen
Wechselkurven, pfeilen wie auf Schienen.
Bremsen und neigen in die Kehren hinein
Muss dies für heut zu Ende sein?

Auschwitz in der Nähe, ein Besuch ist Pflicht.
Da müssen wir hin, da war’n wir noch nicht.
Es ist Sonntag, und das Wetter ist warm
Das Gelände versprüht keinen rosigen Charme.

Es gibt Parkplätze, so gross wie Fussballfelder
Und Bus an Bus, der nächste, schon hält er.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt
Besser wär ein wenig Stille an diesem Grabmal der Welt.

Am Haupteingang zum Gelände – der Eintritt ist frei
Höhnt’s zynisch von oben: „Arbeit macht frei“.
Zwischen Baracken und elektrischem Stacheldraht
Starben Menschen und litten ein Martyrium hart.

Ich möcht’ ein stilles Gedenken an diesem Ort des Schreckens
Doch überall Jungmädchen in Hot Pants und hackigen Stöckeln!
Mit Handy am Ohr stelzen sie wie die grad eben
Das geht nicht in meinen Kopf rein – das ist doch daneben!

Drei Kilometer weiter: Birkenau um ein paar Ecken
Bin apathisch gelähmt von diesem Ort des Schreckens.
Wie die letzten Zeugen der Katastrophe zuvor
Recken sich Kamine und Schlote in den Himmel empor.

Am „Tor des Todes“ bin ich nah an der Krise
Denn systematische Vernichtung lautete hier die Devise.
Das Bahngleis streckt sich weit in die Ebene hinaus
Wer hier rein kam, kam nur tot wieder raus.

Es ist ein Albtraum, ein Elend, ein mystischer Ort
Und nach einigem Schweigen gehen wir wieder fort.
Auf kleinen Strassen mit Wald und mit Heide
Schieben wir die düsteren Gedanken beiseite.

Es geht nicht um’s Vergessen, nein gar nicht und nein!
Solche Taten und Orte müssen ins Bewusstsein rein.
Um den Menschen zu sagen: „Der Wahnsinn war blond“
Damit es nie wieder zu so etwas kommt.

Entlang der Grenze zu Weissrussland. Entlang der Grenze zu Weissrussland.
Der Schotterweg hört an der Fähre auf - und kein Fährmann - was nun? Der Schotterweg hört an der Fähre auf - und kein Fährmann - was nun?
Aufziehendes Gewitter über dem Bug. Aufziehendes Gewitter über dem Bug.
Gedenkstätte Auschwitz. Gedenkstätte Auschwitz.
Auschwitz-Birkenau. Das Tor des Todes. Auschwitz-Birkenau. Das Tor des Todes.